Ergreifende Erzählungen über Flucht und die Hoffnung auf Frieden - Café International spezial am 25. März im Heimathaus

Asylschicksal

 „Sie haben unser Liebstes genommen – Unser Weg zum Leben in Frieden“ lautete der Titel des Café International Spezial, das von der Ehrenamtskoordinierungsstelle der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Traunstein e. V. und dem Förderverein Traunsteiner Netz für Asyl e. V. in der Zieglerwirtstube des Traunsteiner Heimathauses veranstaltet wurde. Die Migrationsbeauftragte der Stadtverwaltung Traunstein, Barbara Kaulfuß und die Leiterin der Ehrenamtskoordinierungsstelle der AWO, Natalia Wolf führten die Anwesenden durch den Abend. Familie A. aus einem afghanischen Dorf, die seit einigen Jahren in Traunstein lebt, hat die Kraft gefunden, in ihre dramatische Vergangenheit zurückzublicken. Als eine Großfamilie lebten A. in einem kleinen afghanischen Dorf, hatten Schafe und Kühe. Bis eines Tages die Taliban das Dorf überfielen… was dann geschah und was auch die Kinder mitansehen mussten, kann man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht einmal vorstellen und die A. können darüber nicht sprechen, so tief und schmerzhaft sind die seelischen Wunden. Zwei weibliche Familienmitglieder haben sie verloren und in Angst und Verzweiflung ihr Dorf verlassen. Über den Iran gelangten sie zu Fuß in die Türkei, fast zwei Monate waren sie unterwegs. Der erste Versuch, mit einem Schlauchboot nach Griechenland zu kommen, scheiterte. Zudem fiel bei diesem misslungenen Versuch ein Sohn wegen Streitigkeiten auf dem überfüllten Boot ins Wasser. Zwei lange Jahre beweinte ihn die Familie und hielt ihn für tot. Zurück in die Türkei gebracht musste die Familie für vier Wochen ins Gefängnis. Ein privates Video zeigt überfüllte Zellen, eng nebeneinander liegende Frauen, Männer, Kinder, Säuglinge, gesunde und kranke. Ganz still ist es im Heimathaus, obwohl die historische Stube bis auf den letzten Platz gefüllt ist.

Der zweite Versuch, den die Familie unternahm, gelang. Über Griechenland und Ungarn in einem verriegelten Kühltransporter kamen sie nach Deutschland und atmeten auf: „Frieden“. Keine Bomben, keine Taliban, keine Angst ob die Kinder den nächsten Tag überleben. Nach zwei Jahren konnte die Familie auch ihren für tot gehaltenen Sohn endlich in die Arme schließen. Nun gehen die Kinder zur Schule, die Eltern lernen Deutsch. Es ist nicht einfach, sie sind nicht mehr so jung, aber sie geben sich Mühe. „Wir wollen ohne Unterstützung durch das Jobcenter leben und unser Geld selbst verdienen“, so die Mutter. Sie bemüht sich sehr, trifft sich mit anderen Frauen zum Deutschlernen und hat bereits viele Monate ehrenamtlich in einem Seniorenheim gearbeitet. Doch aufgrund der noch nicht ausreichenden Sprachkenntnisse haben sie bis heute keinen Arbeitsplatz finden können.

Auch Z., ein weiterer Geflüchteter aus Afghanistan erzählt, sichtlich ergriffen von den Bildern, die auch seine Erinnerungen wach werden lassen, von der Enge auf dem Schlauchboot und seiner Angst. Z., dankbar, dass er in Frieden leben kann, hat in einigen Monaten so gut Deutsch gelernt, dass er es geschafft hat, sich selbstständig einen Ausbildungsplatz zum Maurer zu finden. Ganz allein. Nun ist er seit 2,5 Jahren in der Lehre und bereitet sich zuversichtlich auf seine Gesellenprüfung vor. Er appellierte an Deutschland, den jungen Afghanen eine Chance zu geben, eine Chance auf ein Leben in Frieden.

Im Anschluss berichtete der erste Vorsitzende des Traunsteiner Netzes für Asyl e. V., Rechtsanwalt Manfred Kösterke von der aktuellen Lage und ging ein auf die Weisung des Innenministeriums vom 04. März in Bezug auf die Ausbildung und Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten sowie beantwortete zahlreiche Fragen zur aktuellen Situation afghanischer Geflüchteter. (Natalia Wolf)